Teppiche I


Als ich im September 2017 neu in Jordanien ankam, wunderte ich mich über die allgegenwärtigen Teppiche. Sie hingen überall - in der prallen Sonne oder unter den Vordächern der Geschäfte in Ammans Strassen. Modisch oder kitschig, mit bunten Muster, Landschaften oder Bildern vom Meeresgrund. Wie überdimensionale Gemälde lagen sie über Stangen geworfen, undurchdringlich, als wollten sie dem Staub der heissen Wüstenwinde trotzen und ihn abhalten, in die Ritzen der Gebäude einzudringen, um dieses leicht prickelnde Gefühle feiner Sandkörner unter den Füssen der Barfusslaufenden zu verhindern.

Beim Besuch bei einer Freundin entdeckte ich sie erneut - zusammengerollt und gestapelt im Vorraum der Wohnung. "Ich habe sie noch nicht weggeraeumt. Sie wurden gerade erst von der Reinigung gebracht", erklaerte sie mir, als sie, meinen erstaunten Blick verfolgend. "Wir werden sie ja bald brauchen."


Warum diese Teppiche ueberall, und dass bei dieser Hitze? War die Tradition, den Sand der Wüste mit Teppichen zu bedecken, aus den Beduinencamps mit in die Städte eingewandert? So wie ich es aus dem Irak und Ägypten kannte - wo Teppiche den Boden der Zelte bedecken, ein Tuch darübergelegt wird und darauf die Speisen plaziert werden?

Auch in  den Häusern der Stadt sind sie allgegenwärtig. Im Empfangsraum, wo die Sitzgelegenheiten an den Wänden entlang aufgereiht sind, wird nach der Begrüssung Platz genommen. Zum Essen wird der Teppich in der Mitte des Raumes freigeräumt, ein Tuch darauf ausgebreitet, und die Speisen darauf angerichtet. Um das Mahl herum werden Kissen gelegt, auf die sich alle niederlassen. Nach dem Essen wird das übriggebliebene hinausgetragen, das Tuch zusammengefaltet und entfernt, und die Gaeste kehren auf ihre Plätze in den Sesseln an den Wänden zurueck. Die Kissen verschwinden, und der Tee wird auf kleinen Beistelltischen serviert. 
Einst von Beduinenfrauen kunstvoll gewebt, sind Teppiche heute oft maschinell gefertigte Massenware, und anstelle aus Schafwolle mit anderen Materialien hergestellt. Doch die Tradition, gemeinsam auf dem Teppich zu essen, lebt weiter - eine kulturelle Praxis, die ich bis heute in einigen jordanischen Familien erlebe.


Besonders wichtig werden die Teppiche in den kurzen, aber kalten Wintermonaten. Denn es wird kalt hier in Jordanien. Tagsüber wärmt die Sonne selbst im Dezember noch kräftig, doch sobald sie am Abend verschwindet, werden Tücher um Kopf und Schultern geschlungen und Jacken hervorgeholt. Wenn die Herbstwinde die Regenwolken herbeiziehen, dauert es nicht lange, bis es in den Wohnungen eisig wird. Zentralheizungen sind selten, stattdessen gibt es mobile Gasöfen oder Klimaanlagen, die - wie eine Wärmepumpe - auf Heizen umgestellt werden können. Doch ihr leises Surren wird begleitet vom unüberhörbaren Ticken des Stromzählers. Daher beginnt jetzt die Zeit der Teppiche. Egal wo ich hinkomme - überall sind nun die bunten Bodenbedeckungen ausgerollt, um das Frieren auf den  kalten Steinfliessen zu verhindern, denn die Schuhe bleiben vor der Tuer.

Im September eingezogen, liess der aufziehende Winter, auch die Wände langsam auskühlen. Ich sah Freundinnen mit Pudelmützen oder Plüschanzügen mit Hasenohren - alles wurde genutzt, um der schleichenden Kälte in den Wohnungen zu trotzen. Auch ich musste mich vorbereiten, für meinen ersten Winter in Jordanien, denn die Steinfliessen, die im Sommern angenehm kuehl wirken, verwandeln sich schnell in eine eisige Fläche. Flauschige Hausschuhe - 'made in China' - wurden gekauft, gerade mal haltbar für einen Winter. Und natürlich brauchte auch ich nun Teppiche und machte mich auf die Suche.

Ich lief durch die Stadt. Maschinell gefertigte Stücke in allen Grössen und Farben - doch nichts, was mir gefiel.  Aber es musste sie doch noch geben, die Teppich, wie ich sie kannte: in klassischen Farben mit den traditionellen Mustern der Region, gewebt aus Schafwolle von der lokalen Bevölkerung. Und tatsächlich - irgendwann fand ich sie, die Teppiche meiner Vorstellung, in dem kleinen Städtchen Madaba, in dem ich seit damals lebe.


(Wird fortgesetzt)






 









Al-hisan - Das Freiheits-Pferd im Lager von Jenin




Von CHH - Dezember,  2024


Die Vor-Geschichte ist schnell erzaehlt. Im März 2002 ist Dr. Khalil Suleiman während des Einmarsches der Besatzer in das Lager Jenin im Rahmen ihrer Militäroperation 'Schutzschild' (1) auf dem Weg, ein verletztes Mädchen zu behandeln. Der Krankenwagen, in dem er unterwegs ist, wird von einer Brandbombe getroffen, abgefeuert von der israelischen Armee. Dr. Khalil Suleiman wird getötet, und zwei seiner medizinischen Mitarbeiter sind schwer verletzt. Zu seinen Ehren wird das staatliche Krankenhaus später nach ihm umbenannt.

Und da ist noch dieses Pferd am Eingang von Jenin, als Mahnmal und Zeichen des andauernden Widerstandes, und zum Gedenken an die vielen helfenden Hände gegen die militärischen Zerstörungen während der andauernden Besatzung. Der deutsche Bildhauer Thomas Kepler baute es zusammen mit Jugendlichen und Bewohnern, als er 2003 das Lager besuchte. „Das Pferd, das nun hoch erhoben und stolz dasteht" beschreibt der palästinensischer Politiker Issa Qaraqe "wurde aus den vielen Kugeln gebaut, die in den Straßen und Gassen des Lagers gesammelt, sowie aus den Überresten der zerstörten Häuser, die über den Köpfen ihrer Bewohner abgerissen wurden.“ (2). Als Kepler die Statue mit Wrackteilen von den beschädigten Autos umspann, waren unter diesen auch Teile des Krankenwagens, in dem Dr. Khalil Suleiman getötet worden war. Ein Metallstück mit der Aufschrift "Red Crescent Society" soll an die andauernden Angriffe auf medizinisches Personal in ganz Palästina erinnern. Die Statue wurde an dem Ort errichtet, der als provisorischer Friedhof für die Gefallenen der damaligen Schlacht dient. Der Kopf des Pferdes zeigt in die Richtung der Stadt Haifa, aus der die meisten Bewohner des Lagers Jenin vertrieben wurden.
Zwanzig Jahre hat das Flüchtlingslager Jenin ihr Freiheitspferd behalten, bis es von den Besatzungstruppen im Oktober 2023 vom Osteingang des Lagers entfernt wurde. Bei ihrem Angriff auf Jenin griff die Besatzungsarmee das Pferd nicht nur an, sondern sie "verhaftete" es. Sie schleppte es einfach weg. Ein Bulldozer fuhr mit dem Pferd am Regierungskrankenhausgenau vorbei - und mit ihm die Überreste des Krankenwagens, in dem Dr. Khalil Suleiman ermordet wurde - und verliess mit ihm das Lager.



"Sie haben uns das Pferd gestohlen", ist von den Bewohnern in Jenin zu hören, "um die Erinnerung an ihre Taten auszulöschen." Aber man kann Geschichte nicht auslöschen. Denn das Pferd wurde genau an dem Ort errichtet, an dem im April 2002 das Massaker an den Bewohnern des Lagers stattfand. Man kann dieses Denkmal zwar stehlen, aber es wird nicht gelingen, die Erinnerung an seine schmerzhaften Mahnungen zum Schweigen zu bringen. Längst ist das Jenin-Pferd weit über die Grenze des Lagers hinaus zu einem Symbol geworden. Es "wiehert in Jerusalem, Gaza und Galiläa," schreibt Isaa Qaraqe und preist seine machtvolle Stimme "Es schützt unsere menschlichen, kulturellen und zivilisatorischen Inhalte vor Entleerung, Auslöschung und Vernichtung." (2)

Denkmäler erinnern in der Zukunft nicht nur an die Vergangenheit."Sie lehren uns auch etwas über die Gegenwart," schreibt Rana Barakat, Dozentin an der Birzeit-Universität, denn "ein Denkmal entsteht aus den Überzeugungen, der Politik und den Anliegen seiner eigenen Zeit." (3) Heute werden diese Zeugnisse „Gegendenkmäler“ genannt, da sie, "anstatt schmerzhafte Erinnerungen sicher und distanziert in gefühllosen Stein zu versenken, die Erinnerung lebendig halten." Solche "Gegendenkmäler" sollen sowohl die Opfer ehren, als auch die Verantwortung an vergangenem und/oder fortdauerndem Unrecht wachrütteln. Rana Barakat sieht das Jenin-Pferd daher als ein solches Gegendenkmal, als ein "Symbol für genau diese Art andauernder Gewalt, die noch nicht beendet ist und so keines Gedenkens oder einer Erinnerung bedarf" (4).

Weil es nicht aber gelingt, den Widerstand in Jenin zu zerschlagen, wird versucht, ein falsches Bild des Sieges zu erschaffen, indem Erinnerungen einfach aus dem Weg geschafft werden, so, als hätte das Morden in Jenin gar nicht stattgefunden. Im Grunde kann die Entfernung dieser Freiheits-Statue durch die Besatzer als das Symbol ihrer Niederlage gesehen werden und als Mahnung, dass begangenes Unrecht nicht durch Morde und durch das Verschwindenlassen ihrer Symbole zum Schweigen gebracht werden kann.


Der kleine Steine-Verkäufer in Jordanien

Von CHH - September 2024

Es ist schwer, an die Zukunft von morgen zu denken,

wenn wir heute nicht genug zu essen haben.

 

Ich laufe durch Petra. Es ist heiß und staubig. An der Seite der Straße entdecke ich einen kleinen Steinhaufen und blicke um mich, neugierig, wer diese dort wohl platziert hat. Da erscheint er, der Besitzer dieser Steine, der unter einem Busch nach etwas Schatten gesucht hat. „Guck mal, schöne Steine“, preist er seine Ware an und erklärt,“ich mache dir einen guten Preis.“



Sie sind wirklich schön, seine Steine. „Wo hast du sie her?“ „Selbst hier in Petra gesammelt,“ erklärt er stolz. „Jeden einzeln habe ich besonders ausgewählt, guck!“ Er nimmt einen in die Hand, streicht den Staub weg, poliert ihn und reicht ihn mir mit einem Blick, als sei dies ein sehr seltener Edelstein.

 

Dieser Junge berührt mich. Er sollte in der Schule sein. Aber er sitzt in der Hitze unter einem kleinen Busch und versucht, Fremde wie mich zu finden, die seine Situation traurig macht und die ihm dann einen Stein abkaufen.

 

Ich suche mir zwei Steine heraus. Neben mir bleibt eine der vorbeiziehenden Touristinnen stehen. „Schöne Steine“ sinniert sie und fährt fort, als wolle sie sich mir gegenüber entschuldigen, „er tut mir leid, der Kleine, aber ich kann ja meinen Koffer nicht mit Steinen auffüllen.‘

 

Der Junge wickelt die beiden Steine vorsichtig in ein kleines Stück zerrissenes Plastik, so, als verpacke er ein wertvolles Schmuckstück. Ich suche in meiner Tasche nach etwas Geld, finde aber nur einen 20 Dinar Schein. „Kein Problem‘, sagt der Junge jovial und holt aus seiner Hosentasche ein Bündel Geldscheine, um mir den Schein zu wechseln.




Ich gebe ihm fünf Dinar und nehme die Steine, um sie ebenso vorsichtig in meiner Tasche zu verstauen. „Gib ihm doch nicht so viel Geld,“ seufzt da die Touristin. "Wenn Du das überall so machst, dann verdirbst du ja die Preise. Von wo kommst Du denn her?! Hier im Orient musst man mit denen doch handeln! Sonst halten sie dich für dumm und hauen dich übers Ohr. 50 Cent wären doch wirklich reichlich gewesen für diese beiden Steine! Du bist wohl das erste Mal hier in Jordanien. Hier musst Du aufpassen. Sie nennen dir hohe Preise und ziehen dir so das Geld aus der Tasche.“ Kopfschüttelnd zückt sie ihre Kamera und zieht weiter.




Mir hat noch niemand das Geld ‚aus der Tasche gezogen‘ in den sieben Jahren, die ich mich nun schon in diesem Land aufhalte, an einer Deutsch-Jordanische Universität (GJU) arbeite und mit den Studierenden Projekte für diejenigen Kinder aufbauen will, die keine Schule in der Nähe haben und auch von keiner staatlichen oder humanitären Organisation eingesammelt werden, um dann mit Bussen in die nächstgelegenen Schulen gebracht zu werden (1).

 

„Er wird bestimmt ein guter Edelstein-Händler,“ erklärt mir sein Vater, der sich in der Zwischenzeit zu uns gesellt hatte. „Alle müssen mithelfen, in der Familie. Es ist nicht einfach, das Leben hier,“ fügt er etwas verlegen hinzu, wohl wissend, dass der Platz seines Sohnes eigentlich in einer Schule sein sollte. „Er liebt Steine, kann mit Geld umgehen und kennt die Gepflogenheiten der Touristen.“ Der Vater strahlt. “Er braucht keine Schule für diesen Handel, das haben sie mir gesagt. Er muss das aber von klein auf lernen. Dann schafft er das schon!“

 

 

Der Tee ist doch hier im Garten





Vor Monaten bin ich eingezogen, in das Haus. “Können wir sehen, wie es bei Dir aussieht?“ fragt der Hausherr, der die Wohnung nur im Rohbau kennt. Zu Besuch aus Kuwait steht er mit seiner Ehefrau erwartungsvoll vor der Wohnungstür.  Allein, ohne sie, würde er niemals die Wohnung betreten. Die Beiden durchstreifen die Zimmer. Ja, es ist schön geworden, mit den Teppichen auf dem Boden und an den Wänden, mit den Kannen und Töpfen aus Kupfer und Messing und den alten, großen Tonvasen, sagen sie, nicken und gehen in die Küche. 

Die ist groß und geräumig, der Backofen fasst einen Braten für mindestens zwanzig Personen. Familienküche halt, wie hier so üblich in Jordanien. Sie öffnen die Küchenschränke. "Alles da?! Du hast ja alles gekauft!" Neben dem Wasserkocher ein Glas Nescafé und weitere solche Gläser, neu gefüllt mit verschiedenen Teesorten. Sie öffnen alle Gläser, riechen, reden miteinander in ihrer Sprache und lächeln. 

Am Nachmittag führt mich der Hausherr durch seinen Garten. Er lässt mich an den Blättern der Bäume und Büsche riechen. "Tee", sagt er und bricht mir einige Zweige ab. "Der Tee ist doch hier im Garten."

Warum erzähle ich diese Geschichte?
Das Fremde zu verstehen ist nicht immer einfach.
Sich im Fremden zurechtzufinden noch schwieriger.
Das erfahre ich hier in Jordanien täglich. 
Und so mancher steht dann plötzlich vor einer verschlossenen Tür.

Eine deutsche Austauschstudentin kommt überraschend an unsere Hochschule zurück. Ihr wurde die Praxisstelle in Palästina gekündigt. Sie hat sich dort nicht an die Regeln gehalten und musste innerhalb von 24 Stunden das Land wieder verlassen. Nun sucht sie einen Job in Jordanien, sagt sie. Sie kann erst einmal bei mir wohnen, sage ich. Dort angekommen, trifft sie im Garten den Hausherrn. Wir erklären ihm, was passiert ist. Freundlich lädt er sie zum abendlichen Iftar ein, zum Fastenbrechen mit seiner Familie. Die junge Frau bedankt sich und verabschiedet sich mit den Worten „… dann bis später“, taucht jedoch am Abend nicht wieder auf. „Wo ist das Mädchen?“ werde ich von den Gästen gefragt, denn es hat sich blitzschnell herumgesprochen, Doctora bringt jemanden aus Deutschland mit. Ich weiss keine Antwort. „Sie ist nicht gekommen.“  Schweigen. Vielsagende Blicke. „Sie nimmt meine Einladung nicht an, aber sie will in meinem Haus wohnen,“ kommentiert der Hausherr mit hochgezogenen Augenbrauen. Sie wird sich nach einer anderen Wohnmöglichkeit umsehen müssen.

Das Verwundern darüber, dass etwas so ganz anders interpretiert und gesehen wird, als man das selbst tut. Das Bemerken von ganz klaren Grenzziehungen: Ihr seid zwar willkommen hier im Land, aber die Grenze des für Euch Erlaubten, die setzen wir, die bestimmt nicht Ihr. Dies alles ist Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland nicht immer leicht zu vermitteln.

Ein Forscherteam aus Deutschland führt ein Projekt mit Jugendlichen aus Deutschland und Jordanien durch. Es hat unsere Hochschule als Kooperationspartner angefragt. Das Projekt ist von deutscher Seite bereits durchgeplant und in Deutschland so genehmigt. Wir stellen jedoch sehr differierende Vorstellungen fest und bitten um ein Gespräch. Wir halten einen  Workshop für Mädchen und Jungen mit gemeinsamer Übernachtung der Gruppe für problematisch und schlagen ein Tagungshaus in der Nähe des Wohnortes vor, damit die Jugendlichen zu Hause übernachten können. Des Weiteren bestehen wir darauf, das Thema Sexualität als absolut tabu zu betrachten. Warum? Weil so etwas in Jordanien halt nicht geht.  Lediglich letzterem stimmt die Forschungsgruppe aus Deutschland mit Kopfschütteln zu. Sie finden eine Schule mit Tagungshaus, dessen Direktor sich bereit erklärt, eine gemischte Jugendgruppe für das deutsche Team zusammenzustellen.

Der Workshop soll die vorhandene Fremdenfeindlichkeit und den zum Teil vorfindlichen Hass auf Andere in Deutschland behandeln. Ich treffe mich mit den jordanischen Pädagoginnen, die angefragt wurden, um den Workshop durchführen. Sie planen, nicht die Ablehnung von Fremden, sondern die Willkommenskultur in Jordanien zu thematisieren, so, wie sie überall im Land praktiziert wird, und ich bin sehr neugierig auf die Ergebnisse.

Nach dem Ablauf des Workshops dann plötzlich ein Anruf, wir müssen sprechen, unbedingt, es gab Probleme, mit dem deutschen Team, mit den Jugendlichen, mit dem Ablauf, ja, eigentlich mit Allem. Wir vereinbaren ein Treffen. Die beiden Frauen sind sehr zurückhaltend, sehr zögerlich. Doch dann bricht es aus ihnen heraus: Es war so respektlos, so unhöflich. Und vor allem hätten die Deutschen einen Film mit Szenen gezeigt, die mit der Kultur des Landes nicht vereinbar seien. Ich bin erstaunt, denn ich kenne den Film und habe ihn selbst oft mit Jugendgruppen zusammen angesehen. Es sind unsittliche Szenen, wird mir erklärt. Noch immer verstehe ich nicht, worum es geht. Nach meiner Ansicht gibt es in dem Film keine 'unsittlichen Szenen'. Eine der Pädagoginnen öffnet ihren Laptop und zeigt mir ihre Screenshots. Küssende Paare; eine von einem Mann an die Wand gedrängte Frau, halb ausgezogen, eine Szene 'mit eindeutigen Absichten'; Jugendliche - Mädchen und Jungen – auf einer Party, Bierflaschen schwenkend. Dialoge, die, falls in den arabischen Untertiteln so übersetzt, als Fäkal- oder als sexualisierte Sprache zu beschreiben sind. Was war geschehen? Nicht die Originalversion aus dem Jahr 1981 war gezeigt worden, sondern eine Neuverfilmung, "angepasst" mit stereotypen Bildern "DER Jugend von Heute".

Die jordanischen Jugendlichen waren schockiert. Solche Szenen gibt es nicht in den Spielfilmen, die im Lande ausgestrahlt werden. Ja, sie sind sogar verboten und werden von der Zensurbehörde herausgeschnitten. Einige der Jugendlichen verliessen sogar den Vorführraum. All das wurde vom deutschen Team in seiner Tragweite offensichtlich so überhaupt nicht wahrgenommen. Man versuchte sich im anschliessenden Gespräch auf die Story zu konzentrieren und aus einzelnen Szenen Verhaltensstrategien der Jugendlichen im Film zu beschreiben. Mit den jordanischen Betreuern hingegen thematisierten die Jugendlichen ihren Schock über diese sexuellen Szenen im Film und diejenigen mit den alkoholtrinkenden Jugendlichen. Das waren für sie nun die bleibenden Bilder 'der' Jugendlichen in Deutschland. Niemand vom deutschen Team erfuhr von diesen Debatten, sie fanden in Arabisch statt und unter Abwesenheit der Deutschen.



Hier war offensichtlich das geschehen, was während meiner Ausbildung als der "Huhn"-Effekt bezeichnet wurde, basierend auf einer Geschichte, die in fast jedem Ethnologie Seminar irgendwann einmal auftaucht. Ein Europäer zeigt einen Film in einem Dorf irgendwo auf dem afrikanischen Kontinent. Es geht um den Bau eines Brunnens. Im Anschluss ist er verwundert, als ihm der Übersetzer immer und von dem "das Huhn" berichtet, welches die Dorfbewohner stundenlang beschäftigte. Er wollte einen Brunnenbau erklären, aber dann war da da das mit dem Huhn. Nichts anderes ging mehr. Und er selbst verstand nichts, rein gar nichts von dem, was sich da abspielte. Erst nach mehrmaligem Abspielen des Filmes entdeckte er es dann irgendwann, das Huhn, wie es über die Leinwand lief. Das war es, das, was die Dorfbewohner beschäftigt hatte.

Als Fremde in einem Land machen wir Fehler, die wir selbst gar nicht bemerken. Zum Verstehen braucht es halt doch etwas mehr, als nur eine Reise in das Land eines Anderen.



Verstehen ist eine Reise ins Land eines Anderen

Es herrscht Stille in diesem Blog. Seit langer Zeit. Warum eigentlich? Diesen Blog haben Selçuk und ich vor Jahren gemeinsam geplant. Ich lebte in Frankfurt. Er lebt in Istanbul. Die Gezi Bewegung hat uns zusammen geführt. Aus unseren Blickwinkeln haben wir sie gemeinsam beobachtet. Und irgendwann entschieden wir, wir reden und denken nicht nur zusammen. Wir schreiben das auch auf.

Heute ist alles anders. Ich bin weggegangen aus Deutschland. Selçuk ist geblieben, in seinem Istanbul. Er kann ohne den Bosporus nicht leben. Sagt er. Doch auch ihm kommt immer wieder einmal ein 'vielleicht gehe ich nach ...' in den Sinn. Wir bleiben zwei Reisende in dieser Welt, selbst dann, wenn wir am selben Ort ausharren.

Das Reisen nach Istanbul hat seit längerem sein Ende für mich. Und damit auch die bisherige Konzeption des Blogs. An einem Ort zu sein - nun in Jordanien - und das für mich zuerst Fremde zu beobachten und zu beschreiben. Einfach so. Wie ich es sehe. Das ist der Perspektivwechsel für mich, von dem aus ich in Zukunft meine Texte formulieren werde.

Warum machen wir dann hier nicht einfach weiter, haben wir uns oft gefragt. Ja, warum eigentlich nicht.


"Du willst nach Duhok?!" - "Was willst Du denn im Krieg?"

„Du willst nach Duhok“, höre ich und blicke in ungläubige Gesichter. „Was willst Du denn im Krieg? Mosul ist doch nur 20 km Luftlinie entfernt! Hast Du denn gar keine Ahnung, was da grade passiert?!“ Doch, hab ich. Seit langem beobachte ich den Kampf gegen den IS, die Befreiungsaktionen und aktualisiere täglich die Frontlinien auf meiner Karte. Aber auch mit einer Karte macht es keinen Sinn, meinem Gegenüber den Unterschied zwischen 20 km Autobahn in Deutschland und 20 km Luftlinie in der irakischen Region Kurdistan klar machen zu wollen. Für sie ist dort halt Krieg. So beschreiben es die Medien täglich.

Ein Häuserkampf tobt um Mosul. Menschen sprengen sich in die Luft und reissen viele mit in den Tod. Umliegende Dörfer werden gestürmt und befreit. Diese Bilder des Grauens haben sich tief in uns eingegraben. Denn man schreibt nicht nur, sondern zeigt Bilder mit grausamen Szenen, möglichst mehrdimensional abgebildet, mit Schrift, Bild und Ton. Da ist es schwer, mein Unternehmen in der genannten Region mit rationalen Argumenten zu begründen. Ich bleibe wortkarg, packe meine Reisetasche und begebe mich zum Flughafen.

Es ist Nacht als wir in Erbil ankommen. Man hat vergessen, uns abzuholen. Sowas passiert. Etwas neidisch blicken wir auf die hochgehaltenen Schilder der Abholer. Alle sind sie da, GIZ, UNHCR, Malteser, UNICEF ... und warten mitten in der Nacht auf diejenigen, die ebenfalls bereit sind, sich in Kurdistan zu engagieren. Erschöpft dennoch im Hotel angekommen, erfahren wir, ein Fahrer werde uns am nächsten Morgen abholen. "Dunkelhäutig, mit schwarzen Haaren. Ihr erkennt ihn leicht." Er ist also kein Fremder, kein ‘Ausländer‘, wenn er so aussieht wie fast alle hier. Das beruhigt. Und er ist leicht zu erkennen? Mal sehen.

Ja es ist Krieg in der Region. Auch am Morgen des 22. April 2017. In Mosul wird bereits der Bezirk Al-Thaura wieder kontrolliert und Hai al-Tanak ist zur Hälfte vom IS befreit. Noch immer Sprengstofffallen, Heckenschützen und Artilleriefeuer überall. Menschen versuchen zu Fuss in die nördliche Region zu fliehen, dorthin, wo vor ihnen bereits Hundertausende angekommen sind. Hier, in Erbil, hier redet jedoch kaum jemand vom Krieg "Es ist sicher hier. Die Fahrt nach Duhok? Das geht ohne Probleme." 


 Fast eine gemütliche Aufbruchstimmung. Das Hotel komfortabel. Waffen bleiben draussen. Der IS wirkt hier eher wie ein Schreckgespenst aus vergangenen Tagen. "Es dauert nicht mehr lange, dann sind die ganz verschwunden." Die Themen sind mehr an der Zukunft ausgerichtet. Es geht um  "Kurdistan after ISIS" - so eine Konferenz an der Universität Duhok, zu der die Veranstalter auch uns eingeladen haben. Eine richtige thematische Entscheidung, denn man kann nicht rückwärts in die Zukunft blicken.

Die Fahrt von Erbil nach Duhok, eigentlich nur ca. drei Stunden, dauert doppelt so lang, da wir Mosul umfahren müssen. Rechts und links der Strasse immer wieder Schafe und Ziegen. Ab und zu ein paar Häuser und einige Läden. Sonst nur die weite baumlose Landschaft. Lediglich Checkpoints erinnern an die noch immer lauernde Gefahr. "Wen hast Du da im Auto?" "Alemanya." 
"Alemanya? Na dann gute Fahrt, schöne Zeit für Euch und kommt bald wieder!" Und weiter geht es. "Sie mögen die Deutschen hier. Mit Euch komme ich gut durch" grinst der Fahrer und hält an einer Betonsperre. "Durst?" Ein Junge springt herbei. Das Wasser ist noch kühl. Die Sperren heute, eine Chance für die Kids, sich bei der Hitze ein paar Dinar zu verdienen.


Wie biegen ab und fahren nach Lalish. Ehrfürchtig betrachten wir diesen heiligen Ort der Jeziden. Was uns dort gezeigt und berichtet wird, ist kaum zu verkraften. [1] Hier gibt es keine Aufbruchstimmung. Nur Trauer. Hier ist der IS noch präsent. Überall! Ein kleiner Junge wird an uns vorüber getragen. Er wirkt leblos, wie zerstört. Seine Augen sind stumpf. Er starrt vor sich hin und redet nicht. Er ist nur einer von vielen. "Viele unserer Männer konnten wir noch nicht einmal beerdigen. Wir haben längst nicht alle Massengräber gefunden. Tausende Frauen und Kinder sind noch versklavt. Viele, viele von ihnen leben wohl nicht mehr. Wir hoffen! Aber es ist eine Qual." Familien sind ausradiert, der Lebensraum ist zerstört ... diese Erinnerungen sind grausam. Und den Kampf um ihre Dörfer, den führen gegenwärtig andere. "Ja, vielleicht sind wir hier sicher, aber diejenigen, die dort zurückgeblieben sind, die leben noch heute in Angst und Schrecken." Die Tragödie der Jeziden ist nicht zu vergessen. "Es wird Generationen dauern, bis ... ." Ja, bis ...
Wir verlassen diese trauernde Stille und machen uns auf den Weg nach Duhok. "Kurdistan after ISIS" - Wird es dort noch um mehr gehen, als um "... the right of Kurdistan region to self-determination?" [2]

Zwei Tage später treffen wir unseren Kollegen, der mit Ärzten aus Deutschland in der Region unterwegs war. Verstört zeigt er uns zwei Fotos. "Hier" und er deutet auf das eine "hier haben wir gestern Nacht geschlafen. Heute ist dort alles zerstört. Wären wir eine Nacht länger geblieben, vielleicht wären wir jetzt tot." Was war dort geschehen? Es war nicht der IS, der noch einmal zurückgekommen und dabei nicht nur getötet und einen Sendemast zerstört hat,  sondern auch die Medizinstation teilweise verwüstet hat. Das waren türkische Kampf-Flugzeuge, die in den Sinjar Bergen sehr gezielt 'PKK-Stellungen' bombardiert hatten. "Sicher sind dort oben kurdische Kämpfer," berichtet unser Kollege. "Klar auch von der PKK, denn wie ist Sicherheit dort sonst möglich? Wer hat denn die Gebiete dort befreit? Wie sollen denn weitere Gebiete befreit werden, ohne deren Präsenz?" Und es verwundert nicht, wenn während der Konferenz auch immer wieder zu hören ist: "Den IS werden wir besiegen. Das ist sicher. Viele von uns stellen sich aber die Frage, ob der eigentliche Feind, vor dem wir auf der Hut sein müssen, nicht mittlerweile wieder die Türkei ist". 
Es ist nicht leicht, an einer Zukunft zu bauen, von der man nicht weiss, ob sie einem nicht gleich wieder zerstört wird.

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1) folgt.
2) Kurdistan after ISIS: Questions of Identity and Boundary, Conference held by Iraqi Kurdistan Regioinal Covermorate, Ministery of Higher Education and Scientific Research, University of Duhok & Beşikçi Center for Humanity Studies from 22.-23 April 2017 - folgt.



















"We'll not give up! Never! We will free them, all of them, our enslaved women and children."


There is excitement early in the morning in Duhok. It is on television, on the radio, on social media - everywhere. It spread like wildfire. “They have liberated 36 people tonight!” We do not understand the excitement. 36 people have arrived in Duhok, which have left the terror in Mosul behind them. We see such people every day, people who have somehow managed to escape the terror of the hail of bombs and conflict in and around Mosul. Why suddenly all these bright faces? “A family is back," explains Khalil, our companion. "This was the third attempt to liberate them. And tonight, it was successful." Now we finally understand; it's about a completely different situation. A Yazidi family who had been abducted was recovered from the Islamic State and freed from their enslavement!

Khalil arranges a meeting with the head of this mission. We later stop in front of a dark building in the city center, brightly lit hotels all around. Security forces accompany us inside. Gaping emptiness surrounds us. Only three windows on the fourth floor are lit. There are cameras filming on the terrace. An interview is being carried out. It ends abruptly as we appear. A table is brought out and chairs are placed around it. We sit down. Everything seems a bit odd. However, the situation quickly becomes clear. Outside in the dark, in the midst of secret services and security people, we meet Hussein Qaidi, the head of the office for kidnapped and rescued Yazidis in Duhok, who personally led today's liberation mission. "We had to walk seven kilometers into the IS area until we were able to receive the families," he says, still visibly affected and impressed by the success of the action. "That was tonight at two o'clock; at six, we arrived back in Duhok. We made it this time, ALL of the people were rescued! We liberated five women, 26 children and five men."

We ask why the first two attempts were unsuccessful. Was the situation too dangerous? These are always dangerous, these liberation missions; indeed, they are life-threatening. However, the last attempt was broken off for another reason. One of the women had been severely injured by the bombing from airplanes. Therefore, everything was put off and the woman was taken care of first. They all wanted to flee together. No one should be left injured and alone. This is why they waited.

Again, we are impressed by the close connections and the degree of family cohesion between people here. Over the last few days, we had heard many stories about support for one another. A mother who remained behind, so that her daughter could be saved; boys and young men who fearlessly try to free their mothers, undaunted by the prospect of death. And now, this group who were abducted have returned, all 36 together. This is the most important thing for Hussein Qaidi. He stated: "We have saved over 3000 people to date. Another 2400 women and children remain captured. We want to save all of them! We won’t give up!" Again and again, the concrete details surprise me, especially in such a tumultuous war-time situation. How does the flow of information work? How is it possible to know exactly how many women and children are involved and, above all, that they are still alive?
"Of course there are contacts within IS. We know that more than half of the enslaved women and children are still alive. But we won’t know exactly before the area is liberated from IS. And when we have successfully located all of the mass graves. It is a sad truth that women and children are among those buried in these graves, even when most of them are our men. The Kurdish regional government helps us to identify the bodies with specific devices and provides people who are specialized in DNA investigations. We have found 30 mass graves so far. But it won’t be until all the cities are liberated, that we will know with certainty. "

He continues, "We know that our children, aged between 5 and 14 years old, have been brought to three different training camps, where their names and their religion have been changed. The majority of them no longer know who they really are and where they come from. Every morning and evening they are religiously indoctrinated. After the religious instruction, the children receive training with weapons and are prepared to carry out suicide bombings. They learn all the perverse killing techniques and forms of cruelty, that the IS itself perpetrates. Thus our children are raised to be enemies of their own religion and to a danger to their own families."
Intensive brainwashing has a quick effect on the children so that they come to see the 'Islamic' world of the IS as their own, and the life of the 'caliphate' as the only true one. Conversations with liberated children show their immense aggression, in combination with confusion and helplessness towards a world that has become alien to them. It will take a lot of time and patience until these young people find their feet in a world that they were brutally snatched from. Whether or not they will become a threat to society and their own families in the future will depend, among other things, on how they will be treated after their return. On what help is offered to them, so they can free themselves from this manipulated system of thinking. However, professional support is rarely available. There is an urgent need for cooperation with local relief organizations in Duhok; however, these are all already overburdened by the mass number of refugees from the regions affected by the war.
The purpose of Hussein Qaidi’s work is to plan and carry out the liberation of the enslaved individuals. Officially, his role in the relief work for these families ends after this point. However, everyone knows that the work is not over when families are brought back to Dohuk from the darkness of IS; this means the rescue operation is far from over. "We have closed this hotel and reserved it for liberated people. They can get everything for their daily needs. It is important that they receive new clothes immediately, as a symbol of shirking off the past. Medical and psychological care is immediately provided; I manage this process, visit them twice a day, and prepare everything for their future. We can only provide this help for a short time; we have to hand it over to relief organizations to support them afterwards."
Regional or national aid is not available to prepare and implement liberation missions. All further liberation activities depend on the will, the courage and the commitment of individuals. If, in some cases, paying a ransom is possible or necessary, the families are forced to try to raise huge sums to free their relatives. Many of them are prevented by this from succeeding. Even the government cannot and should not help, as by paying the ransoms, it would not only finance the liberations but IS itself. However, if a liberation has been successful, there is state aid available which can be applied for. "We ask you," says Hussein Qaidi as he concludes the conversation, "to try to help us carry out our missions; we need support from all over the world.  Imagine we had one of the liberated women who had been sold thirty times before, I do not need to explain to you any further, how significant that would be. For those people, everything is far worse than for those who have already found a place in the camps. We will not be able to do it alone.”

Hussein Qaidi is looking for the families with us. Khalil speaks with them to establish the most urgent needs and arranges to meet the most necessary of these. We stand silent. It is impossible to comfort here. The suffering from the experiences of the liberated women and children are far too great. Hardly an eye remains dry in this situation. And there she stood, M., who was sitting on the floor in the room, surrounded by her sleeping children. She gets up, walks up to me, and hugs me. I will never forget this moment. Those who need consoling are instead comforting us, as we stand helpless before them.



"The freedom that I mean ...this freedom is far from being a reality for the liberated. They are still locked in the cage of what they experienced. Whether it is possible to leave it again depends also depends on our help, that we must provide to them. This includes far more than covering the needs of daily life.”

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Khalil Qasim Bozani and Verena Rösner took part in this conversation.


An Yazidi advocate helped quietly usher 1.100 ISIS survivors to Germany in an unprecedented asylum programm.