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"Wenn Journalismus der erste Rohentwurf für die Geschichte ist, kann er manchmal auch ein heilsamer Schock sein, ein Mittel, uns mit der Nase darauf zu stoßen, dass es andere Lebensweisen gab, die zu ihrer Zeit sinnvoll waren, 'unordentliche' Existenzen in der Nachbarschaft von Mitbürgern, die anders beteten und anders speisten: Moslems, Christen udn Juden, fromme und weltliche, Flüchtlinge und Einheimische." (Charles King, Mitternacht im Pera Palace, Die Geburt des modernen Istanbul) [17.11.16]

Die Wahrnehmung von Gut und Böse existiert seit Jahrhunderten als ein Schema im eigenen Kopf. „Das Böse ist (aber) eine Wahnidee, die zwar in unseren Köpfen herumspukt, für die wir in der Realität jedoch keine Entsprechung haben.“ Ein Umdenken bzw. kritisches Überprüfen unserer Annahme über „das Böse“ in der Welt bringt aber keinesfalls eine in „Aussicht gestellte Erlösung von allen Übeln“, sondern verhilft uns lediglich, „illusionären Ballast von Bord zu werfen“, um zu einer anderen Lebenseinstellung zu kommen. Auch entschuldigen Argumentationen gegen das moralische Schuldprinzip keinesfalls bestialisches Verhalten von Personen wie wir es in der Vergangenheit und in der Gegenwart immer wieder erleben. (Nach Schmidt-Salomon, Jenseits von Gut und Böse.) [15.10.2016] 

Wenn man sich die Geschwindigkeit vergegenwärtigt, in der Prozesse verlaufen, die eine ganze Gesellschaft in einen äußerst brutalen Krieg hineinziehen können, dann beginnt man nicht nur zu ahnen, "wie schwach es um die Stabilität und Trägheit moderner Gesellschaften in ihrem Binnengefüge bestellt ist", sondern es wird auch verständlich, "dass es eben nicht nur abstrakte, analytische Kategorien wie 'Gesellschaft' und 'Herrschaftsformen' sind, die sich innerhalb weniger Monate verändern, sondern dass die konkreten Menschen, die diese Gesellschaften bilden und ihre Herrschaftsformen realisieren, sich in ihren normativen Orientierungen, in ihren Wertüberzeugungen, in ihren Identifikationen und auch in ihrem zwischenmenschlichen Handeln schnell verändern können." (Harald Welzer, Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden) [2.09.2016]


"Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten.
Das heißt doch Auswanderer. Aber wir
Wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluß
Wählend ein anderes Land. Wanderten wir doch auch nicht
Ein in ein Land, dort zu bleiben, womöglich für immer.
Sondern wir flohen. Vertriebene sind wir, Verbannte.
Und kein Heim, ein Exil soll das Land sein, das uns da aufnahm."
(Bertold Brecht 1937) [19.08.2016]

"Die Altstadt von Genf um Mitternacht: Gepflasterte Straßen, Statuen, Brunnen, Straßenlaternen mit gelblichweißem Licht, Läden mit beleuchteten Schaufenstern, Antiquitätengeschäfte, Antiquariate, Galerien, Alte Landkarten,Briefmarken, Bücher, die im letzten Jahrhundert gedruckt wurden, Kerzenständer, Kronleuchter, Klaviere, Schreibmaschinen, Grammophone, Porzellanfiguren, chinesische Schachteln, kleine Skulpturen aus Afrika, venezianische Masken, Maria und ihr gekreuzigter Sohn, Lampen aus Reispapier, Schreibtische,Teegarnituren aus Porzellan, silberne Aschenbecher, beleibte Buddhas, Elefanten aus Kristall, indische Stoffe? Unter diesen tausend verschiedenen Gegenständen ist, warum auch immer, kein einziger dabei, der mich an Istanbul, an meine Kindheit und meine zweifellos unglückliche, unbewegte und vertane Jugend erinnert. Einzig und allein die Rosskastanien, denen ich hin und wieder auf den Bürgersteigen begegne?" (Aslı Erdoğan, Der wundersame Mandarin) [19.08.2016]

Worte können winzige Arsendosen sein: sie werden unbemerkt verschluckt, scheinen nicht zu wirken & nach einiger Zeit ist die Giftwirkung da. Diese Technik, Wörter unbemerkt einzuhämmern, umzuwerten und mit Bedeutungen aufzuladen, wird meist durch den Superlativ als scheinbar achtlos benutzte Stilfigur ergänzt. "Wenn Menschen über eine Sache nichts Klares zu sagen haben, pflegen sie, statt zu schweigen, das Gegenteil zu tun: Sie reden im Superlativ, das heißt sie schreien" ... "Der Schrei ist das Vorspiel zu Angriff, Kampf und Totschlag." (Ortega y Gasset, Der Mensch und die Leute) [9.08.2016]

"Der nervösen Erregung, mit der die westlichen Gesellschaften auf die katastrophalen Ereignisse reagieren, folgt mit geraumem Abstand fast immer ein von mürrischer Indifferenz getragenes Vergessen, in dem das, was zuvor für helle Aufregung gesorgt hat, schnell und ohne größere Spuren zu hinterlassen auch wieder verschwindet. Die gelegentlich an Hysterie grenzende Erregung unserer Gesellschaften ist eine Form der Verarbeitung des Entsetzlichen, eine Bewältigung des Schreckens, dem schon bald eine routinierte Gelassenheit folgt, bei der man meinen könnte, es habe das vorangegangene Ereignis nie gegeben. Wenn Terrorismus eine Strategie ist, Schrecken zu erzeugen, so ist die mürrische Indifferenz unserer Gesellschaft die erste Abwehrlinie bei der Bekämpfung des Terrorismus." (Herfried Münkler, Kriegssplitter. Die Evolution der Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert( [7.07.2016]

Wie man Terrorismus definiert hat sowohl sachliche als auch machtpolitische Gründe. "Indem man bestimmte Gewalthandlungen 'terroristisch' nennt, will man ihnen nämlich in der Regel jegliche politische Legitimität absprechen. So fungiert die Bezeichnung 'Terrorismus' in der internationalen Politik als ein Ausschließungsbegriff: Den so apostrophierten Akteuren wird damit bedeutet, dass ihre Anliegen nicht verhandelbar sind – jedenfalls so lange nicht, wie sie sich bestimmter Formen der Gewaltanwendung bedienen."(Herfried Münkler, Die neuen Kriege) [4.7.2016]

"Wenn die Lüge mit der voluntas fallendi zusammenhängt, also mit dem Willen zur Täuschung, und vielleicht müsste man noch die voluntas nocendi heranziehen, die Absicht zu schaden, und zwar unabhängig vom Wahrheitsgehalt dessen, was man sagt, sondern durch den Gebrauch der Worte als Waffe, um etwas 'anderes' glauben zu machen als das, was der Sprecher für wahr hält, dann braucht es die banale und explizite Lüge gar nicht, um den Zweck zu erreichen. Dann sind viel hilfreicher die Gesten, die Andeutungen, die vermeintlich harmlos hingeworfenen Worte, die wahrheitsgetreuen, aber wirkungsvoll eingesetzten Behauptungen." (Maria Bettetini, Eine kleine Geschichte der Lüge. Von Odysseus bis Pinocchio) [1.6.2016]

Der Ursprung des Gehorsams ist in Prozessen zu suchen, die den Fremden in uns erzeugen. "Mit dem Gehorsam geben wir unsere eigenen Gefühle und Wahrnehmungen auf. ... Das Festklammern an die Autorität wird dann zu einem Lebensgrundsatz." (Arno Gruen, Der Fremde in uns) [26.5.2016]

"Der Fremde in uns, das ist der uns eigene Teil, der uns abhanden kam und den wir zeit unseres Lebens, jeder auf seine Weise, wiederzufinden versuchen. Manche tun dies, indem sie mit sich selbst ringen, andere, indem sie andere Lebewesen zerstören. Der Widerstreit zwischen diesen beiden Ausrichtungen des Lebens, die beide von derselben Problematik bestimmt sind, wird über die Zukunft unseres Menschseins entscheiden." (Arno Gruen, Der Fremde in uns) [14.5.2016]

Gerade heute gilt es darüber nachzudenken, was man will und es dann so zu formulieren, ohne bereits von der Frage eingeschränkt zu werden, ob dies denn überhaupt zu erreichen sei. "Es ist das ursprüngliche Interesse der Freiheit, die Mittel sich aus den Zielen entwickeln zu lassen und nicht mit der umgekehrten Folge vorlieb nehmen zu müssen." Utopie muss sich " aus einem umfassenden Zusammenhang ... entfalten dürfen. ... Das heißt im Interesse der Freiheit zu entdecken suchen, was auch sein könnte, ... was eine Möglichkeit der Freiheit zu sein verspricht." (nach U. Hommes, Utopie) [31.10.15]

Wir schleppen gleichzeitig "aber auch immer eine Vielzahl unterschiedlicher, aus unserer Vergangenheit mitgebrachter und fest im Hirn verankerter Bilder mit uns herum, die uns daran hindern, zu dem zu werden, was wir werden könnten. Wir wissen, dass wir die Probleme, die wir mit diesen alten, unser bisheriges Denken, Fühlen und Handeln bestimmenden Vorstellungen erzeugt haben, nur noch durch eine gemeinsame Anstrengung bewältigen können. Aber diese alten, von unseren jeweiligen Vorfahren entwickelten und über Generationen hinweg erfolgreich benutzten Welt-, Feind- und Menschenbilder haben sich tief in die Gehirne der Nachkommen eingegraben, sie sind noch immer so fest im kollektiven Gedächtnis von Familien, Sippen, Stämmen und Volksgruppen verankert und werden durch Gesetze, Glaubens- und Verhaltensregeln und Vorschriften so stark befestigt, dass sie die inzwischen notwendige über alle Unterschiede hinausgehende, gemeinsame Suche nach Lösungen bis heute weitgehend verhindern. (G. Hüther 2004) [17.10.15]

"Wenn ich die Geschichte überzeugend erzählen wollte, musste ich die Erinnerung mit meiner Einbildungskraft verdichten und umwandeln. [...] Die Romanform und die Freiheit zur Erfindung, die sie gewährt, boten mir die psychische Abschirmung, durch die es überhaupt möglich wurde, Themen in Angriff zu nehmen – die Auslöschung von Juden in Polen ist nur eines davon –, die ich sonst für unzugänglich, wenn nicht sogar verboten gehalten hätte."
(Louis Begley, Zwischen Fakten und Fiktionen) [22.08.15]

"Auf eine bestimmte Weise bricht die rhetorische Struktur jeder Sprache deren logische Systematizität auf." Denn:"Sprache ist ... nicht alles. Sie ist lediglich ein wesentlicher Anhaltspunkt dafür, wo das Selbst seine Grenzen verliert. Jene Formen, in denen Rhetorik oder Figuration die Logik aufbrechen, verweisen selbst auf die Möglichkeit von zufälliger Kontingenz neben und um Sprache". Wenn wir beim Übersetzen mit der sprengenden Rhetorizität jonglieren, können wir bemerken, "wie sich die Kanten des Sprachgewebes auflösen."Aufgabe einer Übersetzerin ist es, die Liebe zwischen dem Original und seinem Schatten zu erleichtern, die das Ausfransen erlaubt. Diese Möglichkeit wird oft unterlassen, insbesondere dann, wenn sich nicht auf die Rhetorizität des Originals eingelassen wird, oder ihr nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet wird. (Nach G. Spivak, Die Politik der Übersetzung) [1.8.15]

Für Aristoteles ist die "Läuterung der Seele" wichtig. Für ihn vollzieht sie sich durch die Dichtung und hier besonders durch die Tragödie, Schauspiel der Läuterung, der Katharsis. Hier erfährt das Publikum die Größe und Kleinheit der Menschen und erlebt durch die tragische Krise eine Art Reinigung von bestimmten maßlosen Affekten, die seine Seele verwirren könnten. Für Aristoteles mehr eine geistige Reinigung, mehr Kult als Enthemmung. Der Mensch geht durch die Krise, wird durch sie "reingefegt" und verbeugt sich vor der göttlichen Macht. In der Tragödie wird das Zusammentreffen äußerster Aktivität und äußerster Ruhe erlebt. Für einen Augenblick ist so zu "göttlicher Heiterkeit" zu gelangen, indem die Wirrnisse der menschlichen Leidenschaften für einen Moment hinter sich gelassen werden. (nach J.Hersch, Das philosophische Staunen) [22.7.15]

Als Kant die Aufklärung als den"Ausgangspunkt des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit"charakterisierte, beschrieb er zugleich, dass der Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen nur möglich ist, wenn die Freiheit "von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlich Gebrauch zu machen"gewährleistet ist. (Kant 75,Bd.9-485)
Ist diese Vorstellung heute zum großen Teil Wirklichkeit geworden? Ist die Realisierung des Kantschen Traums von"Öffentlichkeit" nicht durch die Gutenberg-Technik und mittlerweile in Gestalt der Informationstechnologie in kaum vorstellbarem Grad von Universalität möglich? Lassen sich die Möglichkeiten durch die Informationstechnologie heute im Sinne einer gesteigerten Form von Aufklärung deuten?
Oder sitzen wir den falschen Propheten unseres Jahrhunderts auf, indem wir uns zwar den Anschein geben, im "Zeitalter der Aufklärung" zu leben, in Wahrheit aber Kritik und Pluralität ersticken, indem wir die Freiheit der Kritik nicht mehr unter die Herrschaft von sich selbst ermächtigt habende Personen stellen, sondern zunehmend unter die der Maschine mit ihren Alogorithmen? (nach R. Capurro, Ethik im Netz) [18.7.15]

"Schriftsteller oder Philosoph ist kein Beruf. Man schreibt, weil man schreiben muss, man kann nicht leben, ohne zu schreiben, ohne sich über die Fragen, die man sich stellt, klar zu werden - das ist der Sinn des Schreibens. Journalist wird man, weil man sein Leben verdienen muß, und das lieber schreibend tut als mit manueller Arbeit oder sonstwie. Aber die journalistische Tätigkeit enthält zugleich zwei Möglichkeiten: man lernt ununterbrochen, denn man ist gezwungen zu lernen und die Fähigkeit zu entwickeln, die kompliziertesten Sache in einfacher, allgemein zugänglicher Weise darzulegen - eine Herausforderung, die sehr interessant und aufregend sein kann." (A. Gorz 1958) [8.7.15]

"Alles und jedes Eigene, das sich von einem jeden Anderen wie von einem Feind bedroht sieht, trifft diesen immer schon auch in sich selbst und die Spuren des Kampfes in der eigenen Sprache, die es für den Ausdruck seiner selbst nimmt, schlecht und recht verdrängt und vernarbt. Übersetzung bringt an den Tag, was in der prekären Identität von Kultur selbst schon aus der Differenz von Übersetzungen stammt, welche ihrerseits nichts anderes als Differenzen zu übersetzen hatten. Übersetzung, mit anderen Worten, ist die Agentur der Differenz, welche die trügerische Identität von Kulturen sowohl schafft, als auch sie im Zwiespalt ihrer ursprünglichen Nicht-Identität erneuert und vertieft." (A. Haverkamp, Zwischen den Sprachen) [20.4.15]

Wenn die Begrifflichkeiten verschwimmen, verschwimmen auch die Grenzen, innerhalb derer geprüft werden kann, ob eine Beobachtung gültig ist. Um aber zu neuen Erkenntnissen im Rahmen eines transkulturellen Denkens zu gelangen, müssen gerade diese scheinbar "gültigen" Grenzen übersprungen oder durchbrochen werden, wenn bzw. da sie den Austausch von Erkenntnissen verhindern. (Nach Hüther, Die Macht der inneren Bilder) [18.4.15]

Die Medien sind Erweiterungen des Menschen, denn die Technobiologie wirkt auf uns und transfomiert uns. Hier ergibt sich eine Ambivalenz. Schöpferische Erweiterung unseres Selbst auf der einen Seite und ihre Verselbständigung in Form eines technische evolutionären Prinzips auf der anderen. "Die Wahrnehmung verselbständigt sich in den visuellen Medien, das Gehirn im Computer". Wie lässt sich das Gleichgewicht wieder herstellen? Vernunft in den Medien suchen, ähnlich wie die Hegelsche Suche nach der Vernunft in der Geschichte? Denn die Grenzen des naiven technologischen Universalismus sind mittlerweile mehr als deutlich. Aber haben wir die Gefahren des kulturellen Kolonialismus, der Verflachung und Vergleichgültigung aller messages in der Einheitsbrühe der Multimedialität, des Verlustes des Reichtums unterschiedlicher symbolischer Welten und vor allem der nicht aufhebbaren Spannung zwischen der Realität und hier Simulation begriffen? (nach R. Capurro, Ethik im Cyberspace) [11.4.15]

Die Hybridnatur des Internet stellt die Frage nach den Grenzen der Informationsmoralen. Seine globale Natur schränkt die einzelnen existierenden Informationsmoralen ein. Selbst ist das Internet Ausdruck einer sich universal gebenden Informationsmoral, eines"Weltinformationsethos". Ethik im Sinne einer Reflexion über Moral lässt sich aber nicht von einem bestimmten Medium einschränken. Gleichwohl findet diese immer in einem bestimmten Medium statt und wird von diesem mitbestimmt. Es ist daher die Frage nach den "Grenzen der Ethik" zu stellen, d.h. können ethisch begründete Vorschriften einen normativen Charakter für das Medium Internet haben, denn ein "heilloser Krieg der Informationsmoralen" kann kaum eine Alternative sein. Wo sind also Möglichkeiten und Grenzen der ethischen Reflexion im Hinblick auf die Aufstellung und Begründung einer Internetmoral? (nach R. Capurro - Ethik im Netz) [10.4.15]

Der Mensch ist ein symbolisches Wesen, und in diesem Sinne sind nicht nur Wortsprache, sondern Kultur insgesamt, Riten, Institutionen, soziale Beziehungen, Bräuche etc. nichts anderes als symbolische Formen, in die er seine Erfahrungen faßt, um sie austauschbar zu machen. Durch das Zeichen löst der Mensch sich los von der rohen Wahrnehmung, von der Erfahrung des hic et nunc, und abstrahiert: Ohne Abstraktion kein Begriff und erst recht kein Zeichen. (nach U. Eco, Zeichen) [8.4.15]

Der Humor, als das umgekehrt Erhabene, vernichtet nicht das Einzelne, sonder das Endliche durch den Kontrast mit der Idee. Er hebt keine einzelne Narrheit heraus, sondern er erniedrigt das Große und erhöht das Kleine, um ihm das Große an die Seite zu setzen und so beide zu vernichten, weil vor dem Unendlichen alles gleich ist und nichts. (nach J.Paul) [4.4.15]

Demjenigen, der oder die sich daran macht, einen Text zu schreiben, aus dem vielleicht ein Werk wird - ein Autor oder eine Autorin also – wird das, was er oder sie entwirft immer auch von der "Autor-Funktion" vorgeschrieben, die er oder sie von der jeweiligen Epoche übernimmt und ggf. modifiziert, soweit dies im Bereich des Möglichen bzw. Erlaubten liegt. (Nach Foucault, Die Ordnung des Diskurses) [2.4.15]

"Wieviel Trugschlüsse und Irrtümer ... gehen auf Kosten der Wörter und ihrer unsicheren oder mißverstandenen Bedeutung! Bisher hat man dieses Hindernis so wenig als Übelstand erkannt, daß man vielmehr die Kunst, es zu vergrößern, zum Gegenstand menschlichen Studiums gemacht hat, und diese Kunst hat manchem den Ruf der Gelehrsamkeit und des Scharfsinns eingetragen." (J. Locke, Untersuchung über den menschlichen Verstand) [31.3.15]

Sprache ist eine symbolische Repräsentation der Welt, wie die Angehörigen einer Gesellschaft sie im Verlaufe ihrer eigenen wechselnden Geschichte erfahren haben. Zugleich beeinflusst Sprache aber auch die Wahrnehmung und damit wiederum auch ihre Geschichte. Primär ist Sprache ein Kommunikationsmittel, sprachliche Kommunikation färbt jedoch die gesamte Erfahrungsweise eines Menschen und somit ist Sprache auch immer im Fluss. (nach Elias, Symboltheorie) [30.3.15]

Es ist nicht belanglos, wie die inneren Selbst-, Menschen- und Weltbilder beschaffen sind, die sich ein Mensch macht. Von der Beschaffenheit dieser Bilder hängt es ab, wie und wofür ich mein Gehirn benutze und welche inneren Verschaltungen sich weshalb in meinem Gehirn anbahnen und festigen. (nach Hüther, Die Macht der inneren Bilder) [29.3.15]

Auch wenn res publica längst zu einem Flickenteppich von Tausenden von Paragraphen, Tätigkeiten, Meinungen und Interessen verfranst ist, die wiederum hundertfach medial gefiltert und reflektiert werden, die Vorstellung von einer Muß-, Soll- oder Kann-Nachricht ist simpel: sie muss hervorstechen und neu sein - news eben. (nach Türcke, Erregte Gesellschaft) [28.3.15]

"Bloß der Unstudierten wegen merke ich an, daß man es mit dem Verpacken von Begriffen hält wie mit dem Verpacken von Waren: Wenn alles in der Kiste ist, was eigentlich hineingehört, und es schlottert noch, so steckt man etwas anderes dazu." (Lichtenberg 1795) [27.3.15]

Bewusst-unbewusst herbeigeführte Missverständnisse durch bewusstes-unbewusstes Nicht-Miteinander-oder nur Teil-Kommunizieren, um in Ärger ausbrechen zu können, wenn das Gegenüber die Gedanken nicht oder nicht so errät, wie sie für einen selbst selbstverständlich sind und von daher glaubt, alle anderen müssten auch so denken, und wenn sie dies nicht so tun und danach handeln, sei dies eine bewusste Herabwürdigung des eigenen Selbst. [25.3.15]